Bierzelt-Politik gegen Wehrmacht-Ausstellung

Allgemein bekannt dürfte mittlerweile sein, mit welchen Worten der Münchner CSU-Vorsitzende Herr Peter Gauweiler Stimmung gegen die Ausstellung “Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944” macht. Neu ist allerdings, mit welchen Argumenten seine Parteifreunde versuchen ihn neuerdings in Schutz zu nehmen. Besonders aufschlussreich ist der Hinweis des Kreisvorsitzenden des Wehrpolitischen Arbeitskreises der CSU, Armin Drexl, der neuerdings meinte, Gauweiler habe schließlich “eine Bierzeltrede gehalten” und deshalb hätte man seine Aussagen “nicht so hoch hängen sollen”. Was will uns Herr Drexl damit sagen? Darf Herr Gauweiler nicht für voll genommen werden, wenn er in einem Bierzelt auftritt? Hat Herr Gauweiler womöglich vorher Bier getrunken? Oder ist Herr Gauweiler gar einer von diesen Stammtischpolitikern, von denen es immer heißt, denen solle man nicht glauben und die würde es in der CSU nicht geben? … Wie dem auch sei, mir stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, in einem Bierzelt Politik zu machen. Ich bin nämlich bisher immer davon ausgegangen, dass man zum Politik machen einen klaren Kopf braucht. Nicht um sonst ist es auch verboten, während dem Autofahren Alkohol zu trinken.

Entschieden zurückweisen möchte ich als Befürworter der Wehrmachts-Ausstellung die von Herrn Regiert geäußerte Kritik, die Ausstellungsbesucher würden nach einer “Art und Weise” beeinflusst, “wie dies auch im Dritten Reich und in der Stalin-Zeit der Fall gewesen” sei. Die Ausstellung ist sachlich und hat keinerlei parteipolitischen Inhalte. Es kann nicht oft genug betont werden, dass die Ausstellung kein Pauschalurteil über eine ganze Generation ehemaliger Soldaten fällen will. Die Ausstellung will aber – und das ist wichtig – über die Beteiligung der Wehrmacht als Gesamtorganisation und die bestimmter Einheiten an der Massentötung von Zivilisten aufklären. Natürlich wird mit der Ausstellung, wie mit jeder anderen auch, neben der Aufklärung an sich, ein Ziel verfolgt. So gesehen ist sie natürlich auch tendenziös: Es wird für die Opfer Partei ergriffen. Es wird Gewalt verurteilt. Der Betrachter wird allgemein gegenüber Militär sensibilisiert. Mit solchen Zielen dürfte eine Christlich Soziale Union jedoch keine Probleme haben.”

  18. März 1997
 
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